Schön, von euch zu lesen, angelika !
Man vergisst so schnell, wie jung Saika erst ist, weil sie so eine Riesin ist....
Und du hast ganz bestimmt Recht mit der Vermutung, dass es überall "solche und solche" gibt. Über die herzerwärmende Geschichte mit dem alten Collie kann man viele andere - unschöne - Geschichten fast vergessen, denen man in Südeuropa so oft begegnet.
Der alte Vlassis kann euch leider nicht erzählen, was ihn bewogen hat, in eure offenen Arme zu gehen. Und zum Glück finden sich denen, die ihre Tiere gewissenlos abschieben, immer auch Menschen gegenüber, die sie mit offenen Armen aufnehmen. Welche Nationalität die haben, spielt überhaupt keine Rolle und es geht auch kein Weg dran vorbei, dass wir hier in Deutschland in Sachen Gewissenlosigkeit Tieren gegenüber eigentlich mehr als genug Dreck vor der eigenen Haustür zu kehren hätten.
Auch hier ist nicht überall Tierschutz, - nicht mal da, wo Tierschutz dran steht, denn selbst dort findest du haufenweise Profilneurosen, Sozialversagen und Lebenskrisen herumlaufen, denen das Ego eher im Vordergund steht und die sich den Tierschutz nur als (vorübergehendes?) Überdruckventil ausgesucht haben.
Vielleicht ist es auch nicht überall gleich...
Aber ebenso, wie wir hier mal eine Kurdin und eine hier lebende Griechin kannten, die sich weigerten, unser Haus zu betreten, weil große Hunde, die
nach deren Ansicht "einfach nicht ins Haus gehören" (damals waren es ein Altdeutscher SH und ein Leonberger), habe ich eine Freundin, die seit fast 30 Jahren als "mehr oder weniger alleinstehende" Frau in einem winzigen Dorf auf Lefkada lebt vor ca. 8 oder 9 Jahren mal besucht. Damals hatte sie zwei Hündinnen, von denen eine junge grad läufig war und deshalb mit runter nach Nidri musste (ansonsten blieben beide einfach auf dem offenen Grundstück).
Meine Freundin verdient sich ihren Aufenthalt dort, indem sie in der Touristensaison im Charterbootverleih das Geld verdient, das sie dort den Winter über für sich und ihre Tiere (Ziegen, Hühner, Hunde, Katzen) benötigt. Ich hatte also den lieben langen Vormittag und bis ca. 15 Uhr, um mit der angeleinten blonden Rina das Küstenstädtchen Nidri zu erkunden.
An der normal langen Leine von ca. 1m oder 1,20m lief Rina brav neben mir her und tat keiner Fliege was zu Leide, nicht mal kniehoch und von der Gestalt eines Bordercollies - aber du ahnst nicht, wie viele Frauen (meines Alters oder auch älter ) beim Anblick der kleinen Hündin schreiend und schreckhaft ein paar Schritte zurückhüpften oder einfach nur misstrauisch auf den Hund starrend stehen blieben und warteten, bis wir wieder gebührenden Abstand hatten.
Natürlich gab es auch, vor allem in den Straßencafes, in denen ich mich manchmal auf ein Getränk niederließ, die netten freundlichen und meist jüngeren Frauen und Mädchen, die anfragten, ob sie die Hündin streicheln dürfen - oder die einfach kommentarlos, aber freundlich lächelnd eine volle Wasserschüssel für Rina zusammen mit dem Kaffee oder der Cola brachten.
Und wahrhaftig gab es auch auf Lefkada die Deutsche, die mit dem schottischen Nachbarn meiner Freundin zusammen lebte, die ihre 8-10 Wochen alten Hundewelpen bei "Nacht und Nebel" am Strand bei Nidri im Sommer aussetzte, damit sie die Chance hatten, von Touristen gefüttert oder sogar mitgenommen zu werden, anstatt in den Bergen bei Vafkeri oder Karia zu streunen, zu hungern und wie so viele, nach ein paar Wochen vergiftet zu werden.
Damals gab es auf der Insel keinen Tierarzt - wie es heute ist, weiß ich nicht. Und der Weg nach Patras war den meisten Leuten zu weit, also blieben die Tiere unbehandelt, unkastriert und die Menschen kurierten die Eutergeschwülste ihrer Ziegen einfach ohne Narkose selbst mit einem scharfen Messer.
Unvorstellbar für deutsche Verhältnisse - aber das heißt ja keineswegs, dass wir Deutschen alle deshalb die reinen, guten, engelsgleichen Tierschützer wären, als die eine bestimmte Gruppe von Tierschützern uns so gerne darstellen. Es gibt bei uns auch solche, die für den Balken vor dem eigenen Auge nicht blind geworden sind.
