Ja, so sehen unsere Spaziergänge auch oft aus! Schöne große Bäume, deren Äste sich über unseren Köpfen die Hände reichen - da ist mir vor vieeeelen Jahren mal was Merkwürdiges bei passiert, auf das ich abschließend nochmal zurück kommen will... -
und Ameisenhügel und solche Sachen - das kennen wir alle bestens!
Shiloh ist nicht so der Waldfan, man merkt ihm immer an, dass er sich auf Wiesen und "in der Steppe", wo alles gut überschaubar ist, gleich doppelt so wohl fühlt, während ihm im Wald hinter Bäumen und Sträuchern oft irgendwelche schrecklichen Unholde auflauern, die mit den Zweigen wedeln, mit nackten Ästen klappern und mit Blättern zischen und rauschen.
Je älter die Menschen werden, desto mehr erinnern sie sich an Geschichten von früher, deshalb hier nun mal eine Story aus meinen jungen JAhren.
Einige Jahre nach den Geburten meiner Kinder - also mit ca. Anfang 30 habe ich von meinem Arzt mal aus gegebenem Anlass eine Kur mit Agnus Castus -Dragees verschrieben bekommen. Und weil ich ja schon immer gerne haargenau wissen wollte, was Medikamente, die ich nehme sind und was sie für Wirkungen und Nebenwirkungen haben können, habe ich einerseits etliche Tage damit zugebracht, drüber nachzudenken, woher der botanische Name überhaupt kommt und welche Eigenschaften mit der Namensgebung verbunden sein könnten - und andererseits habe ich mich genauestens auf Nebenwirkungen hin beobachtet.
Agnus Castus ist der Name für den in Südeuropa beheimateten Mönchspfefferstrauch und seine Wirkung machten sich zunächst mal vorwiegend die Mönche zunutze, weil sie wohl feststellten, dass sie ihre "sündigen Begierden" dadurch besser im Zaum halten können.
Daher auch der Name Agnus Castus - Das kausche Lamm (Gottes).
Der Wirkstoff regt die Bildung des Progesterons an, was bei Frauen bei bestimmten Erkrankungen erwünscht ist und bei Männern, in deren Körper es NICHT gehört, eben die Libido drosselt.
Soweit so gut.
Auf meinem Weg zur Arbeit fuhr ich damals täglich durch ein Waldstück, bei dem sich über der Straße in großer Höhe die alten Bäume rechts und links der Fahrbahn berührten, do dass man den Eindruck bekommen konnte, durch einen geschlossenen Tunnel zu fahren.
Da habe ich mich mal an einem Tag sehr erschreckt, weil ich mich plötzlich - und nur für Sekundenbruchteile, aber dafür mit den ganzen dazugehörenden "Gefühlsempfindungen" in den Geburtskanal - auf dem Weg ins Leben zurückversetzt fühlte.
Ich habe zu diesem und auch zu keinem anderen Zeitpunkt im Leben ja irgendwelche berauschenden Drogen oder Getränke zu mir genommen und war daher entsprechend sehr beeindruckt, es war mir auch sofort klar, das kann nur von diesem Mönchspfefferzeug kommen.
Daher ging ich Mittags in die Apotheke meines Vertrauens, deren Inhaber immer sehr gerne bereit war, Fragen zu beantworten und Informationen zu beschaffen, aber auch nach sorgfältiger Recherche konnte er mir nur sagen, dass dieses Mittel keinerlei optische Halluzinationen hervorruft.
So lebte ich also Jahre mit der rätselhaften Frage in irgendeinem Gedächtniswinkel, was dieses einmalige optische Erlebnis wohl ausgelöst oder was es im Hinblick auf meine eigene Geburt zu bedeuten hatte, - denn ich hatte während dieses Sekundenbruchteils der Vision ganz eindeutig vom Gefühl her und mit dem Gedanken "ICH WILL HIER BLEIBEN! im Kopf versucht, mit mit den Händen seitlich am gummiartig zurückweichenden Fleisch "festzuhalten" oder "rückwärts zu schieben".
Vor etwa anderthalb Jahren lag bei der Tochter meiner Chefin mal eine Packung Agnucaston Tabletten auf dem Tisch, und während ich auf meine Chefin und die Tochter wartete, nahm ich aus der offenen Schachtel den Beipackzettel heraus.
Und was las ich ? Nebenwirkung u.a,.:Kann akkustische oder optische Halluzinationen auslösen.
Deshalb: Auch in unserer Zeit sind Tatsachen von gestern manchmal morgen schon überholt.
Und: Auf meine Wahrnehmung kann ich mich also DOCH verlassen!
