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Alt 16.04.2008, 07:33
kilometerfresser
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Alpen / Bär erschossen

Graubünden Weil Behörden JJ3 vom "Problembären" zum "Risikobären" erklärten
Brunos Bruder erschossen
Braunbär in den Alpen erlegt, weil er keine Scheu vor Menschen kannte. Tierschützer und Politiker protestieren.

Er suchte seine Nahrung bevorzugt in bewohnten Siedlungen und zeigte keinerlei Scheu vor Menschen. Das wurde JJ3 jetzt zum Verhängnis: Wildhüter haben in den Schweizer Bergen einen Bruder von Problembär Bruno erschossen. "Das Tier war eine Gefahr für die Menschen", sagte ein Sprecher des Schweizer Bundesamts für Umwelt.

JJ3 habe ähnlich schlechte Angewohnheiten wie sein Bruder an den Tag gelegt: Er suchte seine Nahrung bevorzugt auf Weiden und Bauernhöfen. Das zwei Jahre alte Männchen wurde im Raum Mittelbünden erlegt. Bruno, der offiziell JJ1 hieß, war im Juni 2006 nach einer wochenlangen Odyssee durch Bayern und Österreich erschossen worden. Brunos Bruder hatte in den vergangenen Wochen Schafe und Hühner systematisch in der Nähe bekannter Bergorte wie Lenzerheide und Savognin in den Graubündner Alpen gerissen. Trotz mehrerer Versuche, ihn zu vergrämen, zeigte er keinerlei Scheu. Bevor der Braunbär zur Strecke gebracht werden durfte, musste er von den Behörden offiziell vom "Problembären" zum "Risikobären" erklärt werden.

Das Amt für Jagd und Fischerei des Kantons betrieb viel Aufwand, um dem Tier sein Verhalten auszutreiben. Als der Bär Anfang März sein Winterquartier verlassen hatte, blieben ihm Nacht für Nacht Wildhüter auf den Fersen. JJ3 wurde mit Gummischrot und Knallkörpern empfangen, wo immer er sich besiedeltem Gebiet und Abfallkübeln näherte. Ein Halsband mit Sender, das ihm im Herbst verpasst worden war, ermöglichte es, seine Wanderungen zu orten - alles ohne Erfolg. Ein Angebot des Berner Tierparks, ihm Asyl zu gewähren, lehnte der Kanton ab.

Bayerns berühmter Bruno alias JJ1 war wie JJ3 benannt nach Mutter Jurka und Vater José, die ursprünglich aus Slowenien stammten und später in die italienische Provinz Trentino umgesiedelt wurden. Die Bärenfamilie sorgte immer wieder für Schlagzeilen: So wurde Mutter Jurka erst 2007 narkotisiert und eingefangen, weil sie immer wieder Schafe und Hühner riss. Sie lebt seitdem in einem Gehege. Wo sich Brunos zweiter Bruder Lumpaz derzeit aufhält, ist unklar. Er tötete bereits mehrere Dutzend Schafe und ein Kalb.

Empört zeigte sich Italien über die Tötung. "In der Schweiz wurde, wie bereits für den Bären Bruno in Bayern, eine falsche und irrationale Entscheidung getroffen", sagte Landwirtschaftsminister Alfonso Pecoraro Scanio. "Man hätte vieles anderes tun können. Es musste unbedingt vermieden werden, ihn zu erschießen", sagte der Minister.

"Es kann nicht angehen, jedes Bärenproblem mit dem Gewehr zu lösen", kritisiert Christoph Walder, Leiter des Bärenprojekts des WWF Österreich. "Angesichts der äußerst prekären Situation der Alpenbären schmerzt uns der Verlust jedes einzelnen Tieres."
 
 
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