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Alt 20.12.2007, 20:32
kilometerfresser
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Rennmäuse

rennmäuse - die neuen stars unter den nagetieren

Von der Mongolei in deutsche Gefilde

Eine schwarze und eine apricotfarbene Fellkugel liegen eng aneinandergekuschelt in ihrer Höhle – zwei mongolische Rennmäuse. Nur die Füße und der Schwanz schauen aus dem kleinen Holzhaus heraus, das bis oben hin mit Heu und Stroh gefüllt ist. Auf einmal ertönt ein Pfiff und die beiden rennen geradewegs aus ihrem Nest und warten voller Neugier in der Mitte des Terrariums. Sie kennen das morgendliche Ritual schon: Frauchen Stefanie Meier stellt gleich das Frühstück in ihr Terrarium. Die passionierte Rennmaushalterin ist lange kein Einzelfall, denn immer mehr Tierliebhaber faszinieren sich für diese exotischen Nagetiere.

Ursprünglich stammen Rennmäuse aus der mongolischen Steppe des nördlichen Chinas. Heiße Sommer und kalte, trockene Winter sind die klimatischen Bedingungen, an die sich die Tiere im natürlichen Lebensraum angepasst haben.

Die Altersgrenze der natürlichen Arten liegt bei ca. acht Jahren – unsere domestizierten Rennmäuse erreichen ein Alter zwischen drei und vier Jahren. Während es in der Natur nur die braune Wildform „agouti“ gibt, existieren bei unseren Rennmäusen viele weitere Farbschläge wie beispielsweise schwarz, marder, zobel, silber und algierfuchs.

Alles machen sie gemeinsam

In ihrer Heimat leben die Nagetiere in großen Kolonien. In diesen Großfamilien sind alle miteinander verwandt. Auch bei unseren deutschen Rennmäusen ist das nicht anders: „Nie ist eine Rennmaus alleine. Sie kommen zusammen zum Fressen, sie schlafen im gemeinsamen Nest, putzen sich gegenseitig, spielen zusammen und die Jungen werden gemeinsam betreut.“, betont Rennmausexpertin Stefanie Meier. Passiert etwas außerhalb des Geheges, so steht die komplette Gruppe am Beckenrand und schaut, was denn da draußen los ist. Rennmäuse sind also Sippentiere, die deswegen niemals alleine gehalten werden dürfen.

Die stolze Besitzerin von drei Terrarien mit insgesamt sechs Rennmäusen weiß, dass ihre Lieblinge auch eine ausgewogene Ernährung benötigen: „Am besten ist ein Mix aus Keimfutter, Wurzelgemüse, Grünzeug, Kolbenhirse und ein paar Sonnenblumenkernen. Um den Eiweißbedarf zu decken, sollte wöchentlich ein Mehlwurm gefüttert werden.“ Spezielle Fertigfuttermischungen für Rennmäuse gibt es in jedem Zoofachgeschäft. Um den Vitamin- und Mineralstoffbedarf zu decken und den Nagern eine Abwechslung zu bieten, kann man ihnen zusätzlich Gemüse und Obst anbieten. „Tabu sind süßes Obst und Futter mit Zuckerzusatz. Da Rennmäuse von Natur aus einen erhöhten Blutzuckerspiegel haben, kann das den Kleinen schaden“, fügt die Tierliebhaberin hinzu.

Nager, die gerne ihre Krallen zeigen

Ihr lateinischer Name ist übrigens „Meriones unguiculatus“, was übersetzt „Krieger mit Krallen“ bedeutet. Aber woher haben die possierlichen Nagetiere diesen kämpferischen Namen? Dieser bezieht sich auf die Rivalitätskämpfe und die Revierverteidigung, bei denen es recht energisch zugehen kann. „Einmal hat sich eine sehr harmonische Dreiergruppe zerstritten. Die ältere, schwächere Maus wurde dabei von den anderen beiden so zugerichtet, dass sie mit einer tiefen Bisswunde am Hals und einer abgerissenen Kralle zum Tierarzt musste. Die Maus konnte gerettet werden, aber die Gruppe musste ich trennen.“, erzählt Stefanie Meier mit einem nachdenklichen Blick. Aggression ist ein wichtiges Thema bei den Nagern. Auch bei friedlichen Gruppen kann es von einem Tag auf den anderen zu Revierkämpfen kommen - mit oft tödlichem Ausgang. Wenn sich eine Gruppe zerstritten hat, hilft oft nur eine Vergesellschaftung mit einer neuen Rennmaus. Niemals darf man ohne Eingewöhnungszeit fremde Rennmäuse miteinander in ein Gehege setzen. Es würde unweigerlich zu schweren Kämpfen zwischen den fremden Tieren kommen, da die neue Rennmaus aufgrund ihres fremden Eigengeruchs als Eindringling identifiziert wird. Hier empfiehlt es sich, die Tiere in einem Becken zu halten, das mit einem Gitter getrennt ist. Die Rennmauskennerin fügt hinzu: „Durch ein Gitter können sie sich beriechen, ohne direkt in Kontakt miteinander zu kommen. Dann sollten die Tiere ein paar Mal am Tag die Seiten tauschen, damit sie gegenseitig ihren Geruch annehmen und den anderen nicht mehr als Fremdgeruch wahrnehmen“. Sobald die Tiere keine Aggression mehr zeigen, kann man es wagen und sie zusammensetzen. „Aber am besten Handschuhe tragen! Falls es doch zu einer Beißerei kommt, kann man die Renner schnell trennen, ohne dabei selbst verletzt zu werden“, fügt Stefanie Meier lachend hinzu.

Abwechslung für die Workaholics

Ständig sind die kleinen Flitzer in Bewegung. Es gibt zwei Arten sie zu beschäftigen: „Ich verstreue immer das Futter im gesamten Käfig. So sind meine Renner mit der Futtersuche gut beschäftigt. Am Wichtigsten ist natürlich die Einrichtung“ erklärt Stefanie Meier. Eine dicke Schicht Einstreu zum Wühlen und Gängegraben sowie eine Schale Chinchilla-Sand für die Fellpflege müssen vorhanden sein. Außerdem schaffen Steinaufbauten, Äste und Wurzeln zum Klettern und Verstecken Abwechslung. Und: Papprollen zum Herumtollen sowie unbedrucktes Papier zum Spielen und Nestpolstern sind gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Nagetierexperten empfehlen hin und wieder das Gehege ein wenig umzubauen. Wichtig dabei ist, nicht immer komplett neue Gegenstände in den Käfig zu stellen. Rennmäuse markieren ihr Revier über Duftdrüsen und würden in Stress geraten, da sie in diesem Fall ihren Geruch nicht wiederfinden würden. Die Rennmauskennerin hat noch einen Tipp: „Meine lieben ihr Laufrad. Aber kein Plastikrad kaufen – das würde schnell zernagt werden! Am besten ist ein Laufrad aus Metall mit einer Stoffummantelung“. Es dürfen nur spezielle Laufräder benutzt werden, da schnell Füße oder Schwanz zwischen die Metallstreben gelangen können. Die Größe des Terrariums liegt für zwei Rennmäuse bei 80x40 Zentimetern. „Auslauf bekommen meine Mäuse auch. Sie dürfen dann im Flur eine Weile rumrennen und auf einem kleinen Mäusespielplatz rumtoben. Ins Wohnzimmer lasse ich sie aber nicht. Zu groß ist die Gefahr, dass sie an Kabeln oder giftigen Pflanzen nagen.“ fügt Stefanie Meier hinzu.

Kleine Nager für große Leute

Grundsätzlich gilt: Rennmäuse sind Tiere zum Beobachten. Manche werden handzahm und klettern auch freiwillig auf die Hand des Halters. Andere bleiben scheu und meiden Menschenkontakt. Sie aus dem Käfig herauszunehmen und zu streicheln, bedeutet Stress für die sensiblen Tiere und daher sollten sie am besten in ihrem Heim bleiben. Nimmt man sie dennoch einmal heraus, dürfen sie niemals am Schwanz gepackt werden, denn dann würde die Schwanzhaut samt Fell abreißen und das Tier den gesamten Schwanz verlieren. „Ich passe immer gut auf, wenn ich die kleinen Flitzer aus dem Terrarium nehme. Rennmäuse haben nämlich kein Höhenempfinden und könnten schnell abstürzen und sich schwer verletzen. Also, am besten immer mit zwei Händen festhalten.“, erklärt Stefanie Meier. Die Nagetiere sind nur bedingt für Kinder geeignet: „Natürlich können auch Kinder Rennmäuse halten. Aber sie müssen sich im Klaren sein, dass man mit ihnen nicht kuscheln kann. Rennmäuse sind eher für ältere Kinder geeignet.“, so die Nagerexpertin. Was fasziniert die Kennerin denn an den exotischen Nagetieren? „Rennmäuse sind tag- und nachtaktiv - man kann sie also stundenlang beobachten. Sie haben ein riesiges Repertoire an interessanten Verhaltensweisen und jede einzelne ihren eigenen Charakter. Es macht einfach riesig Spaß, ihnen zuzuschauen und ich möchte sie nicht mehr missen.“, sagt Stefanie Meier abschließend und beobachtet, wie sich ihre Lieblinge zu ihrem Mittagsschlaf zusammenkuscheln.
 
 
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