Drei Mitarbeiter des Tierheims sind Zeugen der Hinrichtung des kleinen, verängstigten Hundes
Die ersten Schüsse werden auf den sich auf einem Feld befindenden Hund abgegeben. Der Schütze ist zu diesem Zeitpunkt ca. 30 m entfernt auf einem Feldweg, stehend neben seinem Auto. Der Hund befindet sich etwa 2 km entfernt von der Autobahn. Der Hund zuckt zusammen und wechselt dann die Richtung. Sowohl Marina als auch Saskia können klar erkennen, dass der Hund sichtlich langsam wird, beiden ist klar, dass das Tier getroffen worden ist. Aus dem uns vorliegenden Obduktionsbericht ist ersichtlich, dass der Hund einen Treffer am Bauch erhalten hat. Es sind zu dem Zeitpunkt noch keine inneren Organe verletzt; der Hund hätte noch eine sehr gute Chance gehabt, nach einer Operation zu überleben. Er war jetzt so langsam, dass es für unsere Mitarbeiter ein Leichtes gewesen wäre, ihn einzufangen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt konnte niemand mehr behaupten, der Hund würde eine Gefahr für andere darstellen.
Was nun passiert, werden unsere Mitarbeiter wohl nie mehr vergessen. Der Schütze in dem Privatfahrzeug gibt Vollgas und rast dem Hund, der leider auf einen Feldweg gelaufen ist, hinterher. Unser Mitarbeiter Sven Andersen, der ebenfalls im Auto in die Richtung unterwegs ist, und dem die Polizisten in den Dienstfahrzeugen gesagt haben, wo der Hund zu finden sei (für uns deshalb klar, dass sie ebenfalls nicht wussten, dass S. die Absicht hatte, das Tier zu erschiessen. Seit wann schickt die Polizei Menschen ins Schussfeld...?) merkt jetzt, was der Schütze vorhat und verfolgt ihn mit dem Auto, weil er hofft, ihn noch stoppen und zur Vernunft bringen zu können.
S. holt den mittlerweile sichtlich schwächer werdenden, am Wegrand laufenden Hund ein und gibt, direkt neben ihm fahrend, aus einer Distanz von maximal 2 m zwei Schüsse seitlich auf ihn ab, die laut Obduktionsbericht das Lungenparenchym und das Mediastinum hochgradig zerstören. Der Hund hat jetzt keine Chance mehr!
Sven, der jetzt kurz hinter S. fährt, muss hilflos mit ansehen, wie das wehrlose, schwerstverletzte Tier zusammenbricht. S. steigt aus seinem Fahrzeug, Sven ebenfalls, es gibt ein sehr heftiges Wortgefecht, Sven fühlt sich bedroht, weil S. immer noch die Waffe in der Hand hält und der Meinung ist, der Lauf sei im Eifer des Gefechts mehrmals auf ihn gerichtet gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt lebt der kleine Hund immer noch, er zuckt im Todeskampf, röchelt und seine Augen quellen weit hervor. Sven brüllt S. an:" Der Hund lebt noch, siehst du das nicht?" Erst dann setzt S. den letzten Schuss, der dem Hund, wie aus dem Obduktionsbericht ersichtlich, die Schädeldecke durchschlägt und zwei Halswirbel bricht. Mittlerweile treffen Saskia und Marina am Tatort ein. Saskia bricht weinend zusammen und wirft dem Schützen vor, dass kein anderer Polizist die Absicht gehabt hätte, zu schiessen, so wie ihr versichert worden ist. Sofort fragt S. wütend seine mittlerweile eingetroffenen Kollegen, wer dies behauptet hätte. Sven ruft mich an, ich bitte ihn, den Namen des Schützen zu erfragen und Fotos von dem toten Tier zu machen.
S. nennt trotz Aufforderung seinen Namen nicht, wird aber von Saskia erkannt, weil sie mehrmals bei den Verhaltensüberprüfungen der sogenannten Kampfhunde dabei war, die das Veterinäramt Ludwigsburg im Beisein von S. durchgeführt hat. Saskia, die ein Fotohandy dabei hat, fotografiert den toten Hund von allen Seiten.
S. verhindert, dass die Tierheimmitarbeiter den toten Hund in die Hände bekommen, sagt aber, dass das Tier zum Veterinäramt Ludwigsburg gebracht wird.
Die Besitzerin des Hundes holt das tote Tier am Montagmorgen dort ab, um es kremieren zu lassen. Auf meine Bitte hin überlässt sie uns den Tierkörper vorläufig, so dass die Obduktion gemacht werden kann. Anschliessend wird das Tier von einer Bestattungsfirma abgeholt.
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