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Erziehung für Fortgeschrittene
Mit einer ähnlichen Erfahrung kann ich auch aufwarten. Allerdings geht es da nicht um was Leckeres zum essen, - ich möchte behaupten, eher genau das Gegenteil:
In den Jahren 1985 bis 1997 teilten wir unser Leben mit Flori, unserer ersten (und auch ECHTEN) Altdeutschen Schäferhündin, die im Vergleich zu unseren derzeitigen beiden (die ja eigentlich "nur" Fehlproduktionen aus der herkömmlichen Stockhaarzucht sind) so ähnlich war wie ein Geländewagen im Vergleich zum VW Käfer. Flori war überall gleich hoch, eine sehr große und kräftige Hündin mit eindeutigem Hütehund-Talent, sie hatte nicht diese "windschnittige" schräg abfallende Hinterhandwinkelung.
Nun gut. Sie war von Beginn an sehr darum bemüht, uns alle möglichen Arbeitsgänge abzunehmen (gegen Bezahlung natürlich), indem sie z.B. die gekauften Katzenfutterdosen Stück für Stück vom Auto in die Küche trug, die am Automaten gezogenen Zigarettenschachteln nach Hause brachte etc.
Und sie hat uns wahnsinnig viel über Hunde beigebracht und sämtliche Fachbücher und Hundesachverständigen-Theorien ad absurdum geführt.
Ein tolles Mädchen, wirklich. Über sie könnte man ein ganzes Buch schreiben.
Ja gut, ich schweife schon wieder vom Thema ab, - also: ein bisschen verfressen war sie auch und für ein Leckerchen hat sie mir sogar Geldstücke vom Boden aufgeknibbelt und apportiert.
Aber was ich erzählen wollte: Sie hat es in weniger als einem Jahr fertig gebracht, uns alle, - also die ganze Familie zur Ordnung zu erziehen.
Unsere Kinder hatten die Angewohnheit, ihre getragenen Kleidungsstücke beim Ausziehen einfach dort liegen zu lassen, wo sie grad hinfielen. Und wir Erwachsenen hatten die Angewohnheit, unsere getragenen Sachen und auch die der Kinder morgens einzusammeln und vor der Türe zum Keller "zwischenzulagern", um zu frühstücken, die Kinder in den Kindergarten und zur Schule zu scheuchen, und uns erst dann den täglichen Notwendigkeiten zu widmen.
Relativ bald stellte ich fest, dass unsere Socken und auch zum Teil die Unterwäsche auf geheimnisvolle Weise regelmäßig verschwunden waren, wenn ich sie in die Waschküche bringen wollte.
Und natürlich geriet Flori auch sofort in Verdacht, aber beweisbar war's nicht.
An einem schönen Sommertag, Haustür sperrangelweit offen, Hundi draußen dösend in der Sonne, hatte ich den Weg zur Waschküche immer noch nicht geschafft, als mein Mann kurz nach 13 Uhr von der Arbeit heim kam und fauchte: "Sag mal, was fällt dir denn ein?! Was denkst du dir dabei, meine schmutzigen Klamotten alle draußen auf der Wiese zu verteilen wie sieht DAS denn aus????"
Ich wusste überhaupt nicht, wovon die Rede war, ging ganz empört nach draußen, folgte der Wäschespur und fand Flori genüßlich und voller Konzentration im Schatten unterm Haselnussbaum an einem von meines Mannes Socken zerren.
Es war tatsächlich so, dass sie ganz gezielt die müffeligsten Sachen zuerst aussuchte, aber zur Not taten es auch Kindersöckchen, die in Windeseile und ohne groß zu kauen in ihrem Magen landeten.
Die Beweisstücke kamen natürlich am nächsten Tag immer wieder zum Vorschein, ziemlich unkenntlich zwar und auch trotz gründlicher Wäsche nicht mehr zu gebrauchen - und wir lernten notgedrungen alle in kürzester Zeit, schmutzige Wäsche niemals herumliegen zu lassen, sondern sofort in den Keller bis zur Waschmaschine zu tragen.
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