Heute muss ich mal von einem unserer Welpen berichten. Er wurde am 27. Januar 2006 in den frühen Morgenstunden als Welpe Nr. 8 in unserem Esszimmer geboren und die ersten menschlichen Hände, die ihn berührt haben, waren meine. Genau wie alle vor ihm geborenen Welpen umfassten meine Lippen auch seine schwarze runzlige Schnute, um sicherheitshalber eventuelle Reste vom Fruchtwasser aus seinen Atemwegen zu entfernen. (Das liest sich gewiss für einige von euch ein bisschen eklig, aber ich kann euch versichern, dass an einem neu geborenen Welpen überhaupt nichts ekliges dran ist, ebenso wenig wie bei einem neu geborenen Menschen - und dass, was auch immer man aus den Atemwegen wegsaugt, nur eine winzige Menge ist, die man mit einem *spuck* in ein Stück Küchenpapier entsorgen kann.)
Faro war vom Geburtsgewicht her mit 560 Gramm der schwerste Welpe und es sollte sich später zeigen, dass er sich als der mit Abstand größte des ganzen Wurfes entwickeln würde.
Faros Mutter ist unsere Leslie und ein Altdeutscher Schäferhundrüde, der aktiv im Verein für Langhaarschäferhunde deckt, ist der Vater. Ich habe allerdings der Besitzerin und Züchterin seinerzeit in die Hand versprochen, diesen Deckakt nicht an die große Glocke zu hängen und halte mich daran auch, um ihr keine Probleme mit dem Verein zu machen.
Jedenfalls ist Faro ein reinrassiger Langhaarschäferhund mit, wie ich finde, sehr schönen Eltern. Und er ist ein wirklicher Riese geworden, weitaus größer, als es die Norm des Rassestandards vorschreibt.
Faros Frauchen und Herrchen - auch er war einer der Welpen, die schon vorgeburtlich sehnsüchtig erwartet und fest bestellt waren - freuten sich wie verrückt und suchten unter allen acht Welpen genau ihn gleich am zweiten Tag seines Lebens aus, obwohl zu dem Zeitpunkt alle mehr oder weniger gleich aussahen, nämlich wie ein Nest voll mit quietschenden, maunzenden und grunzenden Maulwürfen.
Er kam in sein neues Zuhause, wo er die vierjährige Queenie als Mama-Ersatz und Erzieherin vorfand und ebenso wie diese von Anfang an bei "Papa und Mama" mit ins Bett durfte.
Leider war "Papa" zu dem Zeitpunkt schon ziemlich krank, so dass Faro, der Jungschnösel, auch nur leidlich gut erzogen wurde und leider nie wirklich lernen musste, an der Leine zu gehen oder irgendeines der anderen Kommandos zu befolgen, die ein Zusammenleben mit dem Hund im Alltag erst erträglich und angenehm machen . Er hatte mit Queenie ein eingezäuntes Gelände von ca. 4000 m², wo er rennen und toben konnte und darüber hinaus lernte er leider nichts kennen; - nicht einmal, dass man Besucher nicht mit überschäumendem Temperament immer wieder anspringen und das ganze Gesicht abschlecken sollte.
Besagter "Papa" war im Frühjahr 2009 gestorben und wie sich zeigte, wurde das Frauchen mit den beiden Hunden und der großen Wohnung finanziell nicht mehr fertig. Sie bezieht nur eine kleine Rente, weil ihr Mann sehr jung gestorben ist und nun hat sich ihr Gesundheitszustand auch noch massiv verschlechtert. Sie hatte schon verschiedene Male durchblicken lassen, dass es ihr immer schwerer fällt, die große Wohnung, die zwei Hunde und auch noch das abzuzahlende Auto zu halten und trennte sich vor ein paar Wochen dann von ihrem Auto.
Eines Abends im September 2009 rief sie mich an und bat mich, ihr bei der Suche nach einem schönen neuen Zuhause für Faro behilflich zu sein. Es eilte ihr nicht, sie wollte vor allem ein gutes und dauerhaftes Zuhause für ihn finden und möchte als Schutzgebühr nur die 250 €, die sie selbst für Faro damals vor dreieinhalb Jahren bezahlt hat.
Mich machte allerdings ihre Behauptung ein bisschen stutzig, dass er sich mit anderen Hunden leider überhaupt nicht versteht und mit Katzen schon mal gar nicht.
Beides führte ich mit Sicherheit auf die Tatsache zurück, dass der arme Kerl , seit er bei ihr wohnt, auch leider nie irgendwas anderes kennen gelernt hatte als seine Riesen-Spielwiese und die liebe alte Hündin Queenie.
Bei diesem Telefongespräch erwähnte Faros Frauchen (die eine ehemalige Arbeitskollegin aus dem Tierheim ist) mehrmals, dass der 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins, unser ehemaliger gemeinsamer Chef also, ganz verrückt nach Faro sei und ihn liebend gerne nehmen möchte. Das nahm ich als Anlass, ihr sozusagen die Pistole auf die Brust zu setzen und sie darauf hinzuweisen, dass sie mir im Übergabevertrag seinerzeit – genau wie alle anderen, die von uns einen Welpen bekommen haben, - unterschrieben hat, dass ich 1. Rückkaufsrecht habe, falls einer unserer Welpen aus welchem Grund auch immer mal abgegeben werden müsste, und dass ich 2. auch Mitspracherecht bei der Wahl eines neuen Besitzers habe. Und unser gemeinsamer ehemaliger Chef ist menschlich und sozial ein dermaßenes A…loch, mit dessen Hundehaltung ich absolut nicht einverstanden bin (was ich auch begründen kann), dass ich ihr in Aussicht gestellt habe, diese Sache juristisch zu klären, falls sie ihm den Hund entgegen unserer Absprache verkauft.
Darauf hin ruderte sie sofort zurück und wir vereinbarten, dass ich versuchen würde, ihren Faro zunächst mal im Freundeskreis und zugleich aber auch auf dem Weg, über den ich die Ungarnhunde vermittelt habe, unterzubringen.
Mit einigen schönen Fotos schritt ich zur Tat und fand nach relativ kurzer Zeit ein Ehepaar, das mir sehr gut geeignet schien, mein ehemaliges „Baby“ zu übernehmen.
Genau wie Faros 1. Frauchen, blieb auch ich mit seinem neuen Frauchen in Verbindung und bekam von Zeit zu Zeit über E-Mail nette Fortschrittsberichte und schöne Fotos.
Irgendwann rief auch sein altes Frauchen bei mir an, schwärmte mir vor, wie froh sie doch sei, dass Faro es so gut getroffen hat und erzählte so ganz beiläufig: „Ach, übrigens, falls dich mal der Rainer (= besagter Chef) oder sonstwer aus dem Tierheim auf Faro ansprechen sollte, dann erzähl bloß nicht, wo er ist! Ich hab ihm nämlich erzählt, Faro wäre an einer Magendrehung gestorben!“
….Ich dachte, mir fällt der Hörer aus der Hand!!!... und erwiderte, dass ich SOWAS auf gar keinen Fall über den Hund verbreiten würde. Das Einzige, was ich evtl. – und auch wirklich nur ihr zuliebe! machen würde, wäre, mich unwissend zu stellen und so zu tun, als wüsste ich davon überhaupt nichts.
Und je länger und öfter ich nach dem Telefonat darüber nachdachte, desto unmöglicher und unverschämter fand ich diese Lüge über Faro und war überhaupt nicht mehr geneigt, irgendwem zuliebe die Ahnungslose zu spielen.
Als dann ein paar Wochen später Faros neue Besitzerin hier anrief und irgendwann erzählte, wie traurig die Vorbesitzerin immer noch über den Verlust ihres Hundes sei, fielen mir ganz spontan die Worte: „Wenn Sie wüssten, was sie hier in der Gegend über den Verbleib von Faro erzählt, würde Ihnen bestimmt der Kitt aus der Brille springen!“ über die Lippen.
Und ich erzählte ihr, dass sie, die sich einfach darauf hätte berufen können, dass ich per Vertrag Vorkaufsrecht auf den Hund hatte, eben den Hund selbst vermittelt hätte, den Vorsitzenden des Tierschutzvereins belogen hat, indem sie Faro kurzerhand an einer Magendrehung sterben ließ.
Hätte ich damit gerechnet, wie die Frau das aufnimmt, hätte ich vermutlich die Klappe gehalten, weil ich unter anderem auch recht weichherzig und konfliktscheu bin – aber letztlich stellt es mich doch sehr zufrieden, dass Faros neues Frauchen voller Empörung sofort eine Mail an die Vorbesitzerin schrieb, in der sie den Kontakt komplett abbrach und ihrem fassungslosen Zorn mit gepfefferten worten Luft machte.
Wie erwartet, wandte diese sich an mich und beschuldigte mich, schuld an dem Zerwürfnis zu sein, aber ich machte ihr klar, dass die Schuld in erster Linie bei ihr selbst zu suchen ist, weil sie ohne Grund ihren geliebten Faro „über die Klinge springen ließ“.
Und wie Recht wir daran taten, den Kontakt abzubrechen, zeigte sich im Sommer 2010:
Nachdem sie einige Monate lang keinen Ton von sich hat hören lassen (welch ein Glück!!) rief sie eines Tages hier an und teilte mir mit, dass das Sozialamt nun, wo ihr jüngster Sohn ausgezogen sei, die große Wohnung nicht mehr bezahlt und dass sie darum ausziehen muss und leider keine Wohnung findet, wo sie ihre knapp 9 Jahre alte Queenie mitnehmen darf. Mitleid erregend erzählte sie, es würde, wenn ich ihr auch nicht helfen könnte, wohl nichts anderes übrig bleiben, als Queenie einschläfern zu lassen.
Ich nannte ihr aus dem Stegreif spontan eine Adresse, wo in einem der Nachbardörfer ein Mehrfamilienhaus steht, von dem Bekannte mit drei Hunden und einer Katze leben.
Ganz empört erwiderte sie: „ Was? Nach Reichshof??!! Ich zieh‘ doch nicht aus Dieringhausen weg!“
„Nein,“ sagte ich spöttisch, „lieber lässt du deine liebe alte Queenie über die Klinge springen, ja?!“
Aber ich suchte einige Fotos von Queenie aus der Datei, wo ich irgendwann mal bei einem Faro-Besuch Fotos von ihr gemacht hatte und setzte sie als Notfall zur Vermittlung ein.
Noch keine 14 Tage später bekam ich erneut einen Anruf, in dem mir Queenie‘s Besitzerin tränenreich berichtete, dass die 9 Jahre alte Hündin , die nun auf einmal schwer herzkrank gewesen sein sollte, vom Tierarzt eingeschläfert wurde, weil keine Aussicht auf Besserung mehr war.
Ich war so empört, dass ich ihr nur sagte: „Na, wie passend! Jetzt kannst du dir ja ohne Mühe eine neue Wohnung in Dieringhausen suchen!“ und den Hörer aufknallte.
Aber die Frau ist entweder dumm wie Brot oder sie ist völlig schmerzfrei, denn sie schreibt oder ruft mich immer wieder mal an, fragt nett, wie es mir denn geht und wie sehr sie ihre Hunde vermisst – und nun hat ihr Schwager im Sauerland auch noch einen Wurf Golden Retrieverwelpen , die sie ständig besucht und fotografiert …
Ich könnte einfach nur kotzen und frag mich, ob sie denn wirklich erst klipp und klar von mir hören möchte, dass ich mit ihr nichts mehr zu tun haben will.
Abschließend noch die Erklärungen zu den angehängten Fotos.
Foto 1: Das kennt ihr bereits aus einem anderen Thema, - es ist Klein-Faro, den Rudi hier so liebevoll betüddelt und putzt. Der Welpe mit dem violetten Acrylklecks im Nacken.
Foto 2: Auf dem Arm seine Frauchens, die ihn hier bei uns fast täglich besucht hat. Ich hab sie mal aus Höflichkeit weggeschnitten, die blöde Kuh.
Foto 3: Faro mit 6 Monaten, der einzige Besuch, den sie mit ihm hier mal gemacht hat, obwohl sie keine 4 Autominuten von uns entfernt wohnte.
Foto 4: Gemeinsam mit Queenie
Foto 5: Hier ist er mit seiner neuen Gefährtin Joy im Büro beim neuen Frauchen. Sie hat das Glück, die Hunde mit zum Arbeitsplatz nehmen zu können und sie beschäftigt sich auch in der Freizeit mit ihnen intensiv.
Faro geht inzwischen tadellos an der Leine, er ist ein ruhiger, freundlicher Pazifist, der sich mit allen Hunden, mit Katzen versteht und sich auch von fremden Kläffern nicht aus der Ruhe bringen lässt. Er befolgt die Kommandos
"Sitz" und "Bleib" tadellos und überall, spielt mit seinem Holzschiebespiel "Leckerchen suchen" wie ein Profi - kurzum: er ist ein ganz normaler, gelehriger, folgsamer Hund, der seinem Rudelchef gefallen will. Genauso wie ich es von all meinen ehemaligen Babys kenne und erwarte.
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