Wir starteten schon um 4 Uhr von Evas Haus und 45 Minuten später standen wir auf der A45 bei Siegen im Stau, weil vor Dillenburg ein Gefahrguttransporter umgekippt und die Bahn in beide Richtungen gesperrt war. Bis wir das gesperrte Teilstück umfahren hatten, gingen knapp 3 Stunden verloren und diese Zeit holten wir leider bis zum Ziel nicht mehr ein.
Das Tierheim Sekesfehervar schließt um 17 Uhr, wir kamen aber erst gegen 19:30 Uhr dort an und waren froh, dass es Evas Mann von daheim aus geschafft hatte, dass uns zu der späten Stunde dort noch jemand erwartete.
Wir hatten schon gefürchtet, die ganzen Spenden über den Zaun werfen zu müssen, aber Gabi, eine deutsch sprechende Ungarin, die bei Evas Aktionen gelegentlich dolmetscht, empfing uns tatsächlich mit einigen Helfern, ein paar Fläschchen Mineralwasser, Cola und sogar mit einer leider etwas abgekühlten Pizza, die wir brüderlich teilten.
Aber in Baja kamen wir dadurch - wegen der Hitze restlos am Ende,- erst gegen 23:30 Uhr an und fielen nach einer kühlen Dusche ins Bett, wo ich bei laufendem Ventilator mit einem Oropax im Ohr etwa 6 Stunden wie ein Stein schlief.
Wie immer, waren wir kurz vor 8 in der Abdeckerei, wo sehr viele große Hunde auf uns warteten.
Wir waren gezwungen, einige von ihnen in die mittelgroßen Transportboxen zu zwängen und die kleineren zu mehreren in die restlichen Boxen aufzuteilen.
Trotzdem mussten wir diesmal zwei Hunde dort lassen.
Der eine war, weil er mehrfach gebissen hatte, von den Ordnungsbehörden beschlagnahmt und zum töten abgegeben worden und solch einen Hund dürfen sie nicht einfach "verschwinden lassen", weil die Tötung nachgewiesen werden muss.
Der andere war ein Dalmatiner, der schlicht und einfach zu groß war, um in eine der kleinen Transportboxen zu passen und eine große passte nicht mehr ins Auto. Angeleint und lose im Auto konnte er auch nicht mit, weil vorne noch Platz für eine Transportbox mit Katze aus Sekesfehervar bleiben musste.
Wir liessen ihn also impfen und chippen, nun muss er in Baja auf uns warten, bis wir Mitte August wieder hinfahren.
Auch diesmal haben wir wieder einige Hunde dort gefunden, bei deren Anblick es einem die Tränen in die Augen treiben kann.
Die angehängten Videoclips sind für zart besaitete Gemüter nur bedingt geeignet, aber ich bin froh, sie euch zeigen zu können.
Wir müssen vor Ort die Dinge so wie sie sind, geschehen lassen, auch wenn es uns oft genug dazu drängt, dazwischen zu gehen und die Leute anzuschreien, dass man so nicht mit Tieren umgehen darf. Wir bemühen uns nur, beim impfen und chippen nicht allzusehr im Weg herum zu stehen und trösten uns mit dem Gedanken, dass dies ganz bestimmt das letzte schlimme Erlebnis für diese armen Geschöpfe sein soll.
Die Leute dort sind ein eingespieltes Team, aber der einzige, den das Geschehen emotional unberührt lässt, ist der Hundefänger, der bei dieser Aktion mit der Schlinge agiert. Die Frauen gehen liebevoll mit den Hunden um und die ältere Frau, die dort wohnt, hält auf dem Grundstück zwei große (und liebe) Sarplaninaci und ganz viele Katzen.
Nachdem das Auto randvoll gepackt war, mussten wir in der Praxis des Tierarztes das ausfüllen der Impfpässe abwarten, wobei jeder Mitfahrer ein paar Hunde auf seinen Namen nimmt - in der Hoffnung, dass wir an der Grenze Glück haben, weil es da ein Limit pro Person gibt. Der so ernannte Eigentümer des Hundes darf "seinen" Tieren Namen geben und einer spontanen Eingebung folgend, beschloss ich, künftig bei jeder Fahrt nach Baja einen der Hunde Odin zu nennen, sozusagen als Hommage an die beiden Raben, die hier vor meinem Bürofenster einige Tage lang Sondervorführen abgehalten haben, während die Idee unserer Ungarnfahrten in meinem Kopf Gestalt annahm.
Cerstins und Kays Einverständnis setzte ich dabei einfach mal voraus, nachdem sie mir durch die Umtaufe von Petka zu Odin auf die Sprünge geholfen haben.

Die Zeit läuft mir wieder mal davon, es ist schon wieder spät geworden. Es ist immer viel Aufregung, wenn ich mit Gasthunden aus Ungarn komme. Alle kommen "mal eben schnell gucken" und ich kann sie ja schlecht rauswerfen...
Daher werde ich nun, da der letzte Besuch für heute wieder gegangen ist, bevor ich noch einmal mit unseren und dem erwachsenen Gasthund (nach einander) raus muss, nun noch schnell die angefügten Movies und Fotos (soweit wie nötig) kommentieren und den Bericht abschicken.
Movie 1 zeigt den amtlich beschlagnahmten Hund, dessen Todesurteil wir nicht abwenden konnten und danach die beiden kleinen Knilche, die zur Zeit gerade in unserem Keller alles auf den Kopf stellen. Sie wurden vor 14 Tagen schon gegen Parvovirose geimpft und sind gesund geblieben. Daran können sie nun also schonmal nicht erkranken, aber sie machen auch allgemein den Eindruck, dass sie topfit sind.
Movie 2 - Vorsicht, nichts für schwache Nerven! Es zeigt den angeblich bissigen Neufundländermix, der nun in Wiehl Koppelweide ist, wo sich Anne gestern Mittag schon um seine schlimme Pfotenverletzung gekümmert hat.
Eine ganz alte Akita-Inu Hündin, die Eva bis zur Vermittlung daheim hat, hat exakt die gleiche Verletzung an der Vorderpfote und der Tierarzt vor Ort erzählte uns dazu, dass solche eiternden Wunden sehr oft durch Zeckenbisse zwischen den Zehen hervorgerufen werden, die sich entzünden und ausbreiten, anstatt zu heilen.
Dieser Hund hat übrigens während der langen Heimfahrt mit der Box neben mir gestanden und ich konnte mich davon überzeugen, dass der die Sanftmut in Person ist. Er hat nur leider gelegentlich mal in der Box das Bein gehoben und so durch die Lüftungsschlitze die anderen Boxen und Hunde bepinkelt, so dass wir beim aus- und umladen gelegentlich in die Pipi fassen mussten.
Aber man überlebt das alles, - schließlich konnten wir uns in jedem Tierheim die Hände waschen.
Movie 3 und 4 nun - auch nicht leicht anzuschauen - zeigt, wie der Hund zum chippen und impfen bereit gemacht wird, dem ich den Namen Odin gegeben habe. Es ist ein 7 Monate junger, sehr ängstlicher Windhundmischling, den wir für das Tierheim in Straubing vorgesehen hatten.
Auch Odin lag in einer der Boxen, zu denen ich während der Fahrt Zugang hatte und ich nutzte die Stunden, um ihn zu streicheln, ihm von seinem künftigen Leben bei lieben Menschen zu erzählen und ihm einen Teil seiner Angst zu nehmen. Die nachfolgenden Bilder konnte ich erst kurz vor Straubing machen, nachdem er sich endlich getraut hatte, sich mit dem Gesicht mir zuzuwenden und mich vorsichtig, aber auch hoffnungsvoll anzuschauen.
Mit auf dem Movie 3 ist auch der Akita-Inu -Rüde, der in kein Tierheim gekommen ist, weil wir schon von Baja aus mit einer Frau vereinbart haben, dass wir ihr diesen Hund irgendwann in der Nacht auf einem bestimmten Autobahnrastplatz übergeben werden. Ihn und noch eine weitere 6 Jahre alte Hündin, über die ich nichts weiter schreiben will, als dass es ein Rassetier ist, dessen Leben nun nichts mehr wert sein sollte, nachdem es dem Züchter viele Würfe geboren hat.
Beide Hunde werden von dieser Dame an Liebhaber und Kenner der jeweiligen Rassen abgegeben werden.
Darüber hinaus haben wir noch viele weitere tolle Hunde dem Tod von der Schüppe stehlen können und ich habe noch einige Fotos und Movies gemacht, die alle hier hochzuladen sicher den Rahmen sprengen würde.17 Hunde und eine Katze sind nun in Deutschland und im Tierheim Sekesfehervar warten 10 weitere kleine süße Mischlinge, die ich in ca. 3 Wochen mit meinem Auto und einer anderen Tierschützerin als Beifahrerin für ein Tierheim in Köln abholen.
Und einen wunderschönen tricolor Collierüden bringe ich dann auch mit. Im Tierheim werden diese Tiere zwar von vielen Helferinnen und Helfern gut versorgt, sie sind nicht so in Not wie die Tiere in Baja.Trotzdem können wir auch vielleicht für eines dieser Tiere dort hier ein neues Zuhause finden.All diese Tiere habe ich fotografiert, aber es wäre hier bei weitem zu viel. Da finden wir vielleicht einen anderen Weg, aber für heute muss es gut sein.
Morgen muss ich zwar nicht ganz so früh aufstehen wie heute, aber mein Tag ist ja auch noch nicht zu Ende.