Ich widerspreche dir nur ungerne, Enja, - aber nachdem ich gestern unsere drei Altdeutschen vorgestellt habe, drängt es mich heute nun, auch unsere Hunde 4 und 4-einhalb vorzustellen. Weil ich für Mischlinge keinen thread gefunden habe, nutze ich also deinen thread hier, um zusammen mit der Vorstellung zu schildern, auf welche merkwürdige Weise Hund Nr. 4 ausgesucht wurde... äh.. uns ausgesucht hat???
Wie auch immer...
Von 2004 bis 2007 arbeitete ich (7 Tage die Woche und so viele Stunden, wie ich wollte!, notfalls auch rund um die Uhr) in einem Tierheim hier in der Nähe.
Die Tierheime nehmen bekanntlich oft Hunde aus dem europäischen Ausland auf - einmal natürlich aus dem Tierschutzgedanken heraus und zum anderen (ein Schelm, wer Böses dabei denkt!!!

) weil die Leute, die die Hunde unter Mühen und auf eigene Kosten im jeweiligen Ausland impfen, chippen und aus den Tötungsanlagen freikaufen, froh sind, wenn sie einen Teil der Hunde (natürlich ohne entsprechende finanzielle Entschädigung!) auf die deutschen Tierheime verteilen dürfen, - denn wo sollten sie sie sonst auch lassen?
Die Tierheime vermitteln diese Hunde dann auch und natürlich haben sie entsprechende Unkosten, denn die Tiere sind fast immer voller Würmer und Flöhe, sie sind oft zunächst mal krank und müssen tierärztlich behandelt werden und natürlich sind sie in aller Regel ausgehungert und fressen eine Zeitlang wie die Scheunendrescher. Das alles verursacht also erst mal Kosten, so dass man keinem Tierheim unterstellen kann, es würde mit diesen Auslandshunden nennenswerten Reibach machen. Denn selbst wenn eines der Tiere mal nur entfloht und entwurmt werden muss und innerhalb einer Woche auch vermittelt ist, so dass von der Schutzgebühr etwas übrig bleibt, so haben wir oft ganze Würfe, die ganz entsetzlich krank sind, richtig kostspielige Medikamente brauchten und oft genug trotz aller Mühen und Kosten elend verrecken, gehabt.
Aber das nur am Rande....
Im Frühjahr 2005 bekamen wir eine Gruppe von 7 oder 8 Welpen unterschiedlichen Alters (zwischen ca. 3 und ca. 7 Monaten, was man anhand des Zahnstatus oft recht genau ermitteln kann) aus der Türkei "geliefert". Sowas müssen die Auslandstierschützer immer vorher telefonisch mit den jeweiligen Tierheimen vereinbaren, wobei die Tierheime sich das Recht vorbehalten, auswählen zu dürfen, welche Hunde sie in etwa aufnehmen können. Und die Auswahlkriterien sind z.T. sehr unterschiedlich. Ein Tierheim will z.B. keine Hündinnen im fortpflanzungsfähigen Alter (denn die sind meist gerade tragend und blockieren dann die Vermittlung, bis die Welpen geboren und abgabebereit sind, was ja insgesamt eine Spanne von ca. 4 Monaten bedeuten kann, in denen Hündin und Welpen Kosten verursachen.
Ein anderes will keine großen Rassen oder keine schwarzen Hunde, keine scheuen Hunde und bissige schon mal garnicht, weil die sich allesamt schwierig bis kaum vermitteln lassen.
So stand ich also nach dem Füttern morgens vor dem Zwinger der neuen Gruppe, die Frau, die die Vermittlung der Hunde managt, neben mir und wir beobachteten das Rudel, um die Hunde einschätzen zu lernen.
Sie sagte mit ärgerlichem Tonfall zu mir: "Jetzt guck dir das an, Brigitta! Die Frau XYZ bringt uns doch IMMER den letzten Schrott aus der Türkei! Wir haben ihr extra gesagt: Kleine bis mittelgroße Hunde, die gut vermittelbar sind - und was bringt die uns? Guck sie dir doch mal an! Das werden doch RIESEN, allesamt, das sieht man doch an den Pfoten! Und krank sind die auch noch, - also ich weiß nicht, ob wir uns einen Gefallen tun, weiterhin mit der Frau zusammen zu arbeiten!"
Ich hatte in der Gruppe das Omega-Tier ausfindig gemacht, es war der Jüngste von allen. Höchstens 4 Monate alt, hatte noch nicht mal mit dem Zahnwechsel begonnen. Wurde von allen anderen Hunden weggeknurrt, sobald er einen Futternapf oder eine Decke für sich beanspruchte.
Er hatte eine muliple Hauterkrankung,
1. Sarkoptesmilben (Räude)
2. Einen Hautpilz (erhöhte Anfälligkeit durch die Räude-Erkrankung)
3. an einigen Stellen bakterielle, eitrige Prozesse dort, wo die Haut durch den juckenden Milbenbefall aufgekratzt/wundgebissen war.
Ganz spontan antwortete ich ihr also: "Ach Franziska, - um den Kleinen da (der mit den Riesenpfoten) brauchst du dir erst mal keine Sorgen machen, den werde ich mit nach Hause nehmen, sobald er nicht mehr ansteckend ist. Ich möchte, dass er in meinem freundlichen, gut sozialisierten Mini-Rudel erst mal erwachsen wird und Selbstbewusstsein entwickelt, ehe er in die Vermittlung kommt."
Parallel dazu schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Wie bringe ich DAS bloß dem Ollen bei? Der wird mich lynchen!
Aber erst mal war der Welpe ja sowieso noch ansteckend mit Milben & Pilz und mir würde schon was einfallen....
Zunächst mal nahm ich den Kleinen und die freundlichste Hündin (ca. 6 Monate alt) aus dem Rudel und separierte die beiden von den anderen Streithammeln.
Dafür könnte ich mich heute noch in den Hintern treten, denn diese Hündin und noch ein weiterer Hund der türkischen Gruppe waren an Parvovirose erkrankt, was sich am gleichen Tag noch zeigte.
Sowas passiert leider, wenn die Hunde mit dem Virus Kontakt hatten - was man ja nicht sehen kann, solange die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist - und dann in die Infektion rein geimpft werden und DAS ist ja ein muss, wenn man sie importieren will.
So bekamen also beide Gruppen die Parvovirose, auch mein "Kleiner". Und ich habe mir so manche Stunde um die Ohren geschlagen, weil die alle täglich zweimal eine Infusion u.a. mit Kochsalzlösung plus Medikamente haben mussten und dabei muss man sie ja festhalten.
Wir haben wirklich gerungen und gekämpft ich war von morgens bis abends im Tierheim und einige Tage lang gab es ernstliche Zweifel, ob wir sie durchkriegen.
Aber in dem Fall, wie durch ein Wunder, verloren wir keinen (während wir in einem anderen Fall von 9 Welpen aus Ungarn 8 Welpen der Reihe nach haben qualvoll sterben sehen, und der einzige Überlebende hatte durch diesen harten Start ins Leben mit einem Jahr dann Diabetes bekommen und wurde blind.
Nun, in dem Fall hatten wir Glück gehabt und es kam die Zeit, wo ich anfangen konnte, meine beiden Sonderschützlinge täglich mit nach draußen auf den Pferdeplatz zu nehmen, um bei ihnen wenigstens ein bisschen Spielfreude zu wecken, denn die ganze Gruppe war recht menschenscheu und man merkte deutlich, dass sie Menschen in ihren jungen Leben schon fürchten gelernt hatten.
Die meisten von ihnen schauten auch ganz unglücklich und mit sorgenzerfurchter Stirn drein, so als wenn sie vom Leben überhaupt nichts Gutes mehr erwarten würden und schon den nächsten Fußtritt, Stockschlag oder Steinwurf erwarteten.
In dieser Zeit erfuhr ich auch, dass "mein" Kleiner als Einziger in der Gruppe Leishmaniose positiv war und möglicherweise kein LANGES Leben vor sich hat.
Von mir bekam er täglich immer noch sein Milben-Gift subkutan gespritzt, wurde alle 2 Tage mit einer fungizidwirksamen Waschlösung "eingeschwämmt" und allmählich gesundete er mehr und mehr.
Ich konnte ihn also mit nach Hause nehmen - hochoffiziell natürlich "nur bis zum erwachsen werden, bis er vermittelt werden kann", inoffiziell aber schon mit der Hoffnung "warten wir's mal ab...das kann ja dauern"
Er gewöhnte sich auch schnell bei uns ein, schloss sich an den fast gleichaltrigen Teddy an, war allerdings von Anfang an kein Männerhund und allen Menschen gegenüber vorsichtig und handscheu.
Mein Mann, der sich ärgerte, dass der Hund auf ihn überhaupt nicht hörte, war schnell fertig mit seinem Urteil:
"Der da kann niemals mein Freund werden! Der hört ja kein Stück auf mich! Bin froh, wenn der endlich wieder ins Tierheim zurück kann."
Bis zu dem Tag, an dem ich mich mit dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins überworfen habe, den Dienst im Tierheim quittierte, und mein Mann fragte: "Was machen wir denn, wenn die jetzt den Shiloh zurück haben wollen?" (der bis dahin nach wie vor nur unser Pflegehund auf Zeit" war)
Ich schaute ihn wütend an "Ja, -... was machen wir dann wohl? Was
können wir denn schon machen? Mir sind doch die Hände gebunden!!! DU lässt ja keine Gelegenheit vertreichen, zu betonen, dass du froh bist, wenn er endlich vermittelt werden kann! Und wenn die dann auch noch kommen und behaupten, sie hätten einen Interessenten für ihn, - was kann ich denn da schon machen?!"
DA ERST rückte er mit der Sprache raus, dass er das ja eigentlich überhaupt nicht so meint und dass wir den Hund ja vielleicht auch garnicht zurück geben MÜSSEN, wenn wir nicht wollen...
So wecken wir also lieber keine schlafenden Hunde und ärgern die Leute vom Tierschutzverein nicht mehr als nötig, damit sie erst gar nicht darauf kommen, dass wir ja noch einen Pflegehund haben, und dass sie mich übelst treffen würden, wenn sie ihn beanspruchen würden.