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  #1
Alt 16.08.2008, 19:21
Jaybiene
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Epilepsie - von anderen Hundehaltern lernen

Als Halter eines epilepsiekranken Hundes fällt mir das Lesen entsprechender Berichte und Tagebücher nicht leicht - und doch haben sie bei allem Schrecken etwas Gutes: Man kann voneinander lernen.

In diesem Fall geht es um Menschen, die zweimal hintereinander einen Hund durch Epilepsie verloren haben.

Ich nehme diese Berichte deshalb so ernst, weil die Besitzerin sich für ihre Hunde wirklich sehr engagiert hatte und alles tat, was in ihrer Macht stand. Hier der LINK

Das Tragische: Bei dem ersten Hund wurde die Epilepsie nicht richtig als solche erkannt und die Anfälle wurden ursächlich in Zusammenhang mit einer Herzkrankheit und Borreliose gebracht.
Als Berry später eine ganz schlimme Infektion bekam, wurde er über einen längeren Zeitraum mit hochdosiertem Penecillin behandelt - und so (meine Vermutung) brach die Krankheit nach langer anfallsfreier Zeit wieder durch.

Bei Floyd, dem zweiten Hund wurde die Epilepsie rechtzeitig erkannt und behandelt - u.a. mit Luminal, welches sehr gut anschlug.
Aber dann machte der Tierarzt einen fatalen Fehler: Durch die Anfallsfreiheit wurde das Medikament viel zu schnell und vor allem zu drastisch reduziert, in dessen Folge es ein ständiges Auf und Ab in der Dosierung gab.
Zum Schluss kam Floyd nicht mehr aus seinen Anfällen heraus und musste eingeschläfert werden.

Für mich sind diese trauigen Berichte eine Bestätigung dafür, dass Antibiotika gefährliche Krampfauslöser sein können, die wirklich nur in äußersten Notfällen gegeben werden dürfen und, wenn es dann nicht anders geht, mit großer Sorgfalt und Bedacht, ausgewählt und dosiert werden müssen.
Desweiteren warnt Frau Dr. Schwarz-Porsche in ihrem Epilepsie-Ratgeber eindringlich vor einer zu schnellen und heftigen Reduktion der Luminal-Tabletten und deren Folgen.
Wenn also von Therapieresitenz gesprochen wird, dürften solche Fälle eigentlich nicht mitgezählt werden, was aber mit ziemlicher Sicherheit der Fall sein dürfte.

@Arwen:
Frau Dr. Schwarz-Porsche meint natürlich kein vernünftiges, weil bedächtiges Herunterfahren der Luminaldosis wie in Odins Fall.
Aber was der Arzt bei Floyd veranlasst hat, war nach meiner Einschätzung ein ganz großer Fehler.
Dagegen decken sich die Behandlungsmethoden unserer Tierärztinnen genau mit den Empfehlungen Dr. Schwarz-Porsches.

Das zeigt einerseits, auf welch dünnem Eis wir uns bewegen, aber auch, welche Chancen damit verbunden sind, wenn die betroffenen Tiere von kompetenten Ärzten behandelt werden.
Und wir Arwen, werden als Halter epilepsiekranker Hunde weiterhin "Ohr an Masse halten" und in Verbund mit unseren Ärztinnen einen Weg finden, unseren Hunden dauerhaft und nachhaltig zu helfen.
 
  #2
Alt 16.08.2008, 22:49
Ky!
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Zitat:
Dagegen decken sich die Behandlungsmethoden unserer Tierärztinnen genau mit den Empfehlungen Dr. Schwarz-Porsches.
Das sollte sie auch. Wenn man gegen die Empfehlung DER deutschen Referenz handelt, sollte man schon gute Argumente haben.

Zitat:
Für mich sind diese trauigen Berichte eine Bestätigung dafür, dass Antibiotika gefährliche Krampfauslöser sein können,
Ich glaube, dass kann man nicht so pauschal sagen, da es hier ja enige substanzklassen gibt. Aber bei einigen ist die Epilepsie eine Kontroindikation, bei anderen eine relative.

Andere können Anfälle infolge langer hochdosiger Anwendungen als unerwünschte NW haben.
 
  #3
Alt 16.08.2008, 23:29
Jaybiene
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Zitat:
Das sollte sie auch. Wenn man gegen die Empfehlung DER deutschen Referenz handelt, sollte man schon gute Argumente haben.

Und genau das IST leider der Knackpunkt: Wie man sieht, halten sich augenscheinlich nicht alle Ärzte daran, sonst hätte es das häufige Auf und Ab in der Dosierungsempfehlung im Fall dieses einen Hundes ja gar nicht geben dürfen.

Ich glaube, dass kann man nicht so pauschal sagen, da es hier ja enige substanzklassen gibt. Aber bei einigen ist die Epilepsie eine Kontroindikation, bei anderen eine relative.

Nachdem, was ich mir da so "ergoogelt" hatte, war mein Eindruck eher, dass eine Verallgemeinerung durchaus angebracht ist, zumindest, wenn es sich um das Penicillin handelt, womit der betreffende Hund ja behandelt wurde.

Andere können Anfälle infolge langer hochdosiger Anwendungen als unerwünschte NW haben.

Ich bin kein Arzt - und wollte deshalb noch einmal unsere Tierärztin zu dem Thema befragen.
Denn nachdem "was man so liest" sind durch Antibiotika im Allgemeinen Krampfanfälle möglich - wobei es im Speziellen durchaus Abstufungen gibt.

Ich bin auch sehr verärgert, weil ich manchmal wirklich nicht weiß, was denn nun richtig ist: Z.B. bekommt Cayo ab Montag (dann kann ich das Medikament abholen) einen Säureblocker.
Der ist aber von einer Vertretung verschrieben worden - und nicht von Cayos Ärztin, die ja noch Urlaub hat.
So. Und was mache ich?
Ich klappe den Notebook-Deckel auf und suche für eben dieses Medikament nach Kontraindikationen bei Epilepsie und Krampfanfällen! Und es ist ja anscheinend berechtigt, siehe Frontline, Prac-Tic und andere "Verdächtige".
 
  #4
Alt 17.08.2008, 08:07
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Registriert seit: 09.05.2009
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Grundsätzlich kann man sagen, dass die wenigsten Tierärzte sich wirklich mit Epilepsie auskennen.
Viele stochern da einfach im Dunkeln.
Was ich verwerflich finde sind Tierärzte, die sich noch nicht mal die Mühe machen, sich ausreichend zu informieren.
Wenn ich als Tierhalter dem Arzt erst sagen muss, dass ein bestimmtes Medikament zum Beispiel MCP oder Baytril kontraindiziert bei Epilepsie ist, dann mache ich seinen Job.
Die Ärzte haben viele schlaue Bücher in ihren Praxen, da können sie doch wohl mal eben rein schauen, das ist nicht zu viel verlangt.

Wenn Frau Prof. Dr. Schwarz- Porsche wüßte, wie viele ihrer Kollegen mit Epilepsie beim Hund umgehen, dann wäre sie sicher schockiert.
Arwen ist offline  
  #5
Alt 17.08.2008, 08:17
Peanuts
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Und was daran besonders bescheuert ist: Ich kenne eine Tierärztin, die noch nicht mal den Namen Schwartz-Porsche im Zusammenhang mit Epilepsie kennt und ich kenne eine Reihe von Tierärzten, die richtig verärgert reagieren, wenn man als Tierhalter versucht, von ihm Informationen (zu allen möglichen Erkrankungen) zu bekommen und sich dann rausstellt, dass man anscheinend besser informiert ist als der Arzt.
Das gibt es tatsächlich.
 
  #6
Alt 17.08.2008, 09:21
Hundeforum Fan
 
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Zitat:
Zitat von Peanuts Beitrag anzeigen
Und was daran besonders bescheuert ist: Ich kenne eine Tierärztin, die noch nicht mal den Namen Schwartz-Porsche im Zusammenhang mit Epilepsie kennt und ich kenne eine Reihe von Tierärzten, die richtig verärgert reagieren, wenn man als Tierhalter versucht, von ihm Informationen (zu allen möglichen Erkrankungen) zu bekommen und sich dann rausstellt, dass man anscheinend besser informiert ist als der Arzt.
Das gibt es tatsächlich.
Darum sind wir wirklich sehr froh, dass wir Frau Dr. Jensen haben.
Wenn alle Tierärzte so engagiert, so kompetent und so voller Wissensdrang wären, dann brauchten wir keine Angst mehr um unsere Tiere zu haben.
Odins Ärztin hat einen wirklich tollen Zugang zu Tieren, so dass der Große mit Freude zu ihr geht und sich alles von ihr gefallen läßt.
Auch uns nimmt sie ernst. Egal welche Fragen oder Anmerkungen wir haben.
Sie ist einfach überragend gut!!!
Arwen ist offline  
  #7
Alt 17.08.2008, 09:43
Jaybiene
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Zitat:
Zitat von Peanuts Beitrag anzeigen
Und was daran besonders bescheuert ist: Ich kenne eine Tierärztin, die noch nicht mal den Namen Schwartz-Porsche im Zusammenhang mit Epilepsie kennt und ich kenne eine Reihe von Tierärzten, die richtig verärgert reagieren, wenn man als Tierhalter versucht, von ihm Informationen (zu allen möglichen Erkrankungen) zu bekommen und sich dann rausstellt, dass man anscheinend besser informiert ist als der Arzt.
Das gibt es tatsächlich.
Du sagst es Peanuts. Und du kennst bestimmt schon den Spruch (nicht nur unter Hundehaltern), dass man "bei manchen Ärzten sogar noch selbst die Diagnose mitbringen müsse."

Mir geht es da aktuell wie Arwen: Ich bin total froh, dass Cayo in so guten tierärztlichen Händen ist. Im anderen Fall entscheidet ein schlechter Arzt schließlich nicht selten über das Wohl und Wehe des Hundes.

Und gerade bei der Epilepsie ist das so eine Sache. Da BRAUCHT man einfach einen Tierarzt, der mitzieht, also im Grunde "mit der Krankheit mitWÄCHST" - und den Tierhalter als Partner betrachtet und nicht als Störfaktor.

Andersherum vertraut man dann den Empfehlungen seines Tierarztes dann ja auch und weiß, dass er/sie seinerseits alles Menschenmögliche tut, um dem eigenen Tier zu helfen.

Für mich ist das ein ganz entscheidender Faktor für meinen Optimismus. Mir gibt die Gewissenheit, dass Odin und Cayo in guten Händen sind, viel Kraft. Und darüberhinaus versuchen wir ja auch immer mehr zu erfahren uns selber auch weiterzuentwickeln - und mancher Tipp kann dann manchmal durchaus auch sehr hilfreich sein.
Wie deiner Peanuts, mit dem Abstinthium zum Beispiel. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es unterstützend hilft.
 
  #8
Alt 17.08.2008, 10:12
Jaybiene
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Zitat:
Wenn Frau Prof. Dr. Schwarz- Porsche wüßte, wie viele ihrer Kollegen mit Epilepsie beim Hund umgehen, dann wäre sie sicher schockiert.
Du, ich glaube, DEN Schock hat sie schon längst hinter sich. *bitterlach*
Sie ist so erfahren, schlau und belesen und darüberhinaus werden ihr bestimmt von außen auch genug Fälle zugetragen, die ihr als kompetente Tierärtzin gar nicht gefallen werden.
Darunter fallen sicher nicht nur die ANWENDUNGSfehler der Tierhalter, sondern ebenso die BEHANDLUNGSfehler mancher Ärzte.
Deswegen schreibt sie ja auch, dass die echten Therapieresistenzen deutlich niedriger liegen alls bei 33 1/3 Prozent.

Ich finde auch die Bekanntgabe eigener Erkenntnisse sehr wichtig, also dass was wir hier so im Forum veröffentlichen.
Keiner von uns hat das Wissen gepachtet, wir sind ja auch keine Ärzte, aber doch immer bemüht, neue Informationen und Erkenntnisse zusammen zutragen.
Da denke ich nur an deinen letzten Beitrag, Arwen.

In dem Zusammenhang habe ich hier noch eine Geschichte einer Frau, deren Belgischer Schäferhund ebenfalls Epilepsie hatte, aber leider eingeschläfert werden musste.
Eigentlich wollte ich den Link nicht veröffentlichen, weil er mich anfangs so runterzog, heute denke ich ein wenig anders, weil ich etwas mehr mit der Materie vertraut bin und eventuell etwas finde, was ich z.B. bei Cayo vermeiden könnte.
Ich habe mich aber bis jetzt noch nicht getraut, mir "diesen Fall" noch ein weiteres Mal durchzulesen.

In der Erinnerung kann ich sagen, dass die Besitzerin von "Zipo", so der Name des Hundes, sehr bemüht war, einerseits - es gab aber auch Dinge, die mir missfielen, z.B. schreibt sie, dass sie bei ihrem heutigen Wissen ihrem Hund wahrscheinlich hätte helfen können, schreibt aber nicht WOMIT!
Weshalb macht sie so ein Geheimnis darum? Wo sie doch sonst sehr viel über das Thema geschrieben hat - und es sogar ein Epilepsie-Tagebuch gibt, kann sie ihr Wissen doch weitergeben und dies auf ihrer HP ebenso veröffentlichen wie alles andere auch?

Deshalb hat Ky Recht mit seiner Kritik und seitdem bemühen wir uns ja, die Epilepsie-Beiträge so zu ordnen, dass uns die Suchmaschinen besser finden können. Denn ich fände es toll, wenn uns andere Menschen mit ihren Epilepsie-Hunden vielleicht so besser finden können.

Hier nun aber Zipos Geschichte - und wie gesagt, wenn ich ehrlich bin, bin ich hier doch etwas zwiegespalten.
 
 
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