Oh, ich hatte schon einige Hunde, die mich ebenso erzogen haben, wie ich sie - und ich habe es mit Humor und freiwillig-staunend geschehen lassen!
So hatten wir von 1985 bis 1997 eine wunderschöne und absolut clevere Altdeutsche Schäferhündin, von der ich sehr, sehr viel über Hunde gelernt habe.
Das würde hier absolut den Rahmen sprengen, wenn ich anfinge, Beispiele aufzuschreiben, wäre ich sicher erst im Morgengrauen fertig.
Nur zwei Beispiele: Sie hat mir schnellstens beigebracht, unsere Schmutzwäsche nicht mehr vor die Kellertür zu werfen, wenn ich morgens aufstehe, sondern sie direkt in den Keller zur Waschmaschine zu bringen. Denn sie hat liebend gerne Socken gefressen, wobei es ihr egal war, ob sie das würzige Aroma eines Männerfußes oder das neutrale Aroma eines Kinderfußes hatten.
Ich habe damals noch geraucht und unsere Kinder hatten ihr beigebracht, schon am klimpern der Münzen zu erkennen, ob es Geld für den Zigarettenautomaten oder irgendwelches kleinere Münzgeld war.
Sie nahmen die Hündin, die schon beim Klang der 1- und 2- Mark-Münzen zu tänzeln begann, mit zum Zigarettenautomaten, zogen die Schachtel und gaben sie ihr zum heimtragen. Ich bekam sie dann freudig wedelnd überreicht und der Hund kriegte ein Leckerchen und ein dickes Lob.
Eines Abends stellte ich fest, dass ich nur noch eine Zigarette übrig hatte und wollte mir welche am Automaten holen.
"Lass mal", sagte mein Mann. "Mach du mir schon mal die Brote für morgen fertig, ich hol die Zigaretten eben."
Der Hund, der beim Geldklimpern voller Eifer und Vorfreude war, lief mit raus, aber mein Mann nahm sie nicht mit runter zum Automaten. Er gab ihr auch die Schachtel nicht zum apportieren, sondern warf sie mir auf den Tisch - an dem ich immer noch saß - und flitzte weiter in die Küche, um sich seine Brote selbst zu machen.
Der Hund hinter ihm her - in der Hoffnung, er würde evtl. trotzdem ein Leckerchen kriegen.
Eine Minute später hörte ich meinen Mann schimpfen "Pfui, du Ferkel! Was machst du denn da, das ist doch BÖSE!!!"
Ich fragte ganz erschrocken:" Was ist denn, was macht sie denn?"
und er antwortete: "Die hat in die Küche geschissen, das Ferkel! Kannst du das glauben?"
Ich brach in lautes Gelächter aus und sagte:" Das bist du doch selbst schuld! Du hast sie doch um ihr Leckerchen betrogen, du weißt doch, wie gerne sie die Zigaretten bringt! Also - NOCH DEUTLICHER kann sie das doch garnicht ausdrücken: DAS WAR SCHEI..E!"
Solche aufschlussreichen Erlebnisse hatten wir mit dieser Hündin unzählige!
Ich könnte ein Buch darüber schreiben.
Sie war noch keine drei Stunden bei uns, ein Dreikäsehoch von 8 Wochen.
Mein Vater kommt zu Besuch, sieht sie und sagt, garnicht mal in böser Absicht: "Ach, habt ihr euch doch wieder so einen kleinen Eckenpisser geholt!?" Die Hündin, die erst schwanzwedelnd auf ihn zugelaufen war, schaut ihn an, dreht sich ganz zielstrebig um und kriecht unterm Zaun durch. Weg war sie. Ich dachte, ich trau meinen Augen nicht.
Ebenso zielstrebig watschelte sie runter zur B55, überquerte die und verschwand auf dem Grundstück eines Nachbarn, wo ich sie endlich einholte und heimtragen konnte.
Ich habe das damals nicht kapiert, aber diese Hündin, dass war für uns innerhalb eines Jahres sonnenklar - war wirklich mit Verstand auf die Welt gekommen.
Gerechterweise muss ich allerdings sagen, dass wir seither nie wieder so ein cleveres Tier gehabt haben, dass ich aber weiß, dass man keinen Hund mit einem anderen vergleichen darf.
Und auch wenn unsere jetzige Leithündin sich mit dieser früheren keineswegs messen kann und soll, hat auch sie mir doch noch einiges über Hunde beigebracht.
Ich erwarte von meinen Hunden keinen Kadavergehorsam, aber das Einhalten von gewissen Regeln, die ich aufstelle. Ich versuche, ihnen das zu danken, indem ich dafür auf ihre Eigenarten eingehe und auch nur die Eigenschaften fördere, die sie mir von sich aus entgegenbringen.
Und ich bin nach wie vor bereit, mir von meinen Hunden auch die eine oder andere Erziehungslektion erteilen zu lassen.
